Den Schlag verdaut

Eine Möglichkeit, mit den negativen Erlebnissen des Lebens umzugehen, ist darüber zu reden oder, wie in meinem Fall hier, zu schreiben. Während so der Frust über Enttäuschungen etwas gemildert wird, helfen ähnliche Erfahrungen und Erkenntnisse anderer Menschen zu deren Bewältigung, aber auch einfach nur tröstende Worte oft weiter. Wichtig ist aber auch die Selbstreflektion, sowie das Bemühen, die eigene Situation im Kontext seiner Lebensweise und -einstellung zu sehen. Mein Blog über Hörbehinderung ist ein Teil meiner persönlichen Strategie.
In den vergangenen Tagen habe ich den aktuell aufgezwungenen Break zwangsläufig dafür genutzt, mir über Verhalten, Einstellung und Prioritäten im und zum Leben Gedanken zu machen. Und es ist erstaunlich, wie sehr ich mich im immer schneller drehenden Karusell des Alltags wie selbstverständlich festgekrallt habe. War ich bis vor Kurzem noch der Meinung, trotz meiner Behinderung sehr stressfest und in mir ruhend zu sein, bedurfte es ganz offensichtlich eines gewaltigen Schusses vor den Bug, um mir meine Grenzen aufzuzeigen.
Habe ich den Gedanken, nun monatelang kein Auto fahren zu dürfen, zunächst als Strafe empfunden, wird dieser Umstand jetzt ein Synonym meiner bewussten Zeitplanung für den Tag sein. Ich werde in Zukunft also weniger „machen“, dafür mehr „machen lassen“. Den Blick nicht nur auf das Handeln richten, sondern auch die Dinge am Rande und in der zweiten Reihe wahrnehmen. Mag sein, dass mich das manchmal von den Anforderungen des Alltag- und Berufslebens ablenkt, aber die damit einhergehenden kleinen Freuden sind mir viel zu wertvoll. Und mir ist jetzt bewusst, wie schnell es damit vorbei sein kann.
Das größte Geschenk hat mir das Leben ohnehin gemacht, als es mich „den Schlag“ weitgehend unversehrt verdauen liess. Mir die Möglichkeit gibt, ohne große Einschränkungen weiter mein Dasein in einer wunderbaren Familie, mit wirklich guten Freunden und sicher auch bald wieder mit netten Kollegen zu geniessen.
Ja, ich habe wirklich daraus gelernt.

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