Handykauf leicht gemacht?

Als Kunde mit einer offensichtlichen Hörschwäche führt man viele Handyverkäufer auf das berühmte Glatteis. Der erste Reflex führt dann zu den sogenannten Seniorengeräten („die sind wirklich sehr laut“). Nun mag ich das nicht abstreiten, aber ich möchte doch etwas mehr als ein zweizeiliges, pixeliges LCD mit riesigen Ziffern. Ich habe Probleme mit den Ohren, nicht mit den Augen. Und mit derzeit 54 Lenzen schaffe ich es auch, fehlerfrei ein Tastenfeld zu bedienen, welches nicht die Ausmaße einer Kühlschranktür hat.
Leider (für Schwerhörige!) zeigen sich bei den Smartphones die Nachteile des von der EU in Kraft gesetzten Hörschutzes. Die Geräte dürfen eine Grenze der Lautstärke am Kopfhörer nicht mehr überschreiten, was für einen Hörbehinderten dazu führen kann, mit solch einem Teil unterwegs nur sehr eingeschränkt Musik hören zu können.
Bei mir stellt sich die Situation wie folgt dar:

In aller Regel nehme ich für die Bahnfahrt nach hause meine Hörgeräte aus den Ohren und stöpsele die Inears meines Smartphones hinein. Mir genügt dabei, trotz einer Vorliebe für Rockmusik, eine Beschallung, welche die Umgebungslautstärke eben so überdeckt. Dröhnung bis hin zu Kopfschmerzen sind nicht mein Ding. Irgendwann kam aber der Moment, an dem die Musik ihre Transparenz verlor und damit keine rechte Freude mehr machte. Der von mir gerne gehörte Progressive Rock lebt nun mal von kleinen aber wichtigen Details, die immer mehr verschwanden. Also musste ein neues, lauteres Handy her.
Das bis vor kurzer Zeit von mir benutzte iPhone 4 hat zwar einen recht guten Soundchip, was Normalhörende sicher bestätigen werden, aber Apple setzt die EU-Vorschrift wohl sehr streng um. Das Ergebnis ist eine relativ geringe Lautstärke, bei der für mich viele Nuancen eines Songs verschwinden. Bis zu einem gewissen Grad kann man hier mit einem Equalizer noch etwas nacharbeiten, aber so richtig begeistert hat mich das nicht.
Der Wunsch, per Bluetooth ein MP3 auf einige im Elektronikmarkt ausgestellte Geräte zu kopieren, damit ich das Hörerlebnis mit meinem iPhone vergleichen kann, stiess oftmals auf Unverständnis. „Keine Zeit“, „nicht erlaubt“, „nehmen sie einfach das Samsung blabla, das ist laut genug für sie“ (woher weiss er das?) waren die typischen Antworten. Oder eben die schon erwähnten Seniorenhandys.
Letztlich habe ich im Kreis der Familie mal verschiedene Handys probegehört, was zu wirklich brauchbaren Erfahrungen geführt hat. Ein Samsung Galaxy S2 ist z.B. nicht lauter als das iPhone. Ein Huawei D510 ist sogar noch leiser. Das Sony Xperia S war da schon ein eher brauchbareres Gerät. HTC dagegen hat mit dem Windows Phone 8s ein wirklich klangstarkes Smartphone, mit einigen kleinen Schwächen des internen Speichers. Wem es aber in erster Linie um ein brauchbares Smartphone mit exzellentem Hörgenuss geht, ist hier gut aufgehoben. Als Alternative dazu ist das etwas grössere und besser ausgestattete Windows Phone 8x zu empfehlen.
Schlussendlich habe ich jetzt ein HTC One, welches für mich hinsichtlich der Grösse etwas überdimensioniert, was die Leistung betrifft, sogar massiv oversized ist. Aber das Klangerlebnis ist einfach traumhaft und kann daher auch Hörbehinderten mit Resten von audiophilen Ansprüchen wärmstens empfohlen werden. Ob das verwendete „BeatsAudio“ dafür alleine verantwortlich ist, kann ich mit Sicherheit nicht sagen, aber einen Versuch ist HTC wohl wert.
Als Fazit kann ich anmerken, dass es sich bei noch ausreichendem Hörvermögen lohnt, verschiedene Hersteller und Modelle probezuhören, um den individuellen Musikgenuss so lange als möglich zu erhalten.

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