Moderne Zeiten

Momentan ist der Wechsel von meinen analogen Siemens Lotus Pro M hin zu moderneren Hörgeräten angesagt, was mit langwierigen Testphasen und umfangreichen Einstellungsarbeiten durch den Hörgeräteakustiker meines Vertrauens (Wiedhöft in Heppenheim)  einhergeht. Leider ist damit auch eine anstrengende Phase des subjektiven Hörempfindens angebrochen, da jedes Gerät seine etwas eigene Akustik mitbringt. So ist der erste Eindruck fast immer mit Enttäuschung verbunden, weil der Klang eben nicht dem der bisher genutzten HG’s entspricht. Das gibt sich aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit und ich begebe mich zum Vergleich in die üblichen Alltagsszenen. Die ersten Testgeräte haben mich vom Sprachverständnis her etwas enttäuscht, was die aktuell getragenen etwas besser hinbekommen. An der oft bemängelten Hörqualität digitaler HG’s scheint also etwas dran zu sein.
Zusammen mit den neuen HG’s möchte ich mir auch ein Bluetooth-System anschaffen, welches mir den Umgang mit Handy, Computer, TV und Telefon angenehmer gestalten soll. Auch hierfür hat mir mein Akustiker ein Testgerät zur Verfügung gestellt.
Das CM-BT2 verbindet sich mit jedem Gerät, welches Audiosignale per Bluetooth versenden kann und leitet diese dann per Induktionsschleife an die HG’s weiter. Das funktioniert überraschend gut. Der Komfortgewinn ergibt sich für mich persönlich durch den Umstand, bei einem Anruf nicht mehr das HG aus dem Ohr pfriemeln zu müssen. Da ich es nie geschafft habe, das Handy ohne Rückkopplungspfeifen am HG zu positionieren, habe ich das Telefonat „klassisch“ auf höchster Lautstärke geführt. Viele Handys übersteuern dann aber recht stark, was die Verständlichkeit dann wieder einschränkt. Mit dem CM-BT2 habe ich meinen Gesprächspartner nun direkt im Ohr, während die Umgebungsgeräusche von den HG’s soweit abgesenkt werden, dass ich stressfrei und „handsfree“ telefonieren kann. Das Ganze funktioniert genau so wie ein übliches Headset, d.h. ich muss nicht zwingend mein Handy aus der Tasche holen, sondern kann ein Gespräch per Knopfdruck annehmen und beenden.
Während die Klangqualität beim Telefonat durchaus als gut bezeichnet werden kann, enttäuscht sie aber doch beim Musik hören über den Audioplayer des Smartphones. Das ist aber wohl den baulichen Gegebenheiten geschuldet, weil der Lautsprecher des Hörgeräts einfach zu weit vom Trommelfell entfernt ist. Durch die Belüftungsöffnung der Otoplastik geht natürlich auch noch etwas Druck niederer Frequenzen verloren. So kann eben kein klanglicher Hochgenuss entstehen, sondern erinnert mich eher an mein erstes kleines Transistorradio in den frühen Siebzigern. Und damit sind wir dann auch schon bei dem von mir überwiegend genutzten Anwendungsszenario, dem Radiohören. Für Nachrichten, Fussballkonferenzen und ein paar Minuten Abwechslung auf der Heimfahrt von der Arbeit im Zug, ist das eigentlich ausreichend. Für musikalischen Hochgenuss, der mir sehr wichtig ist, benutze ich dann meine In-ears, oder den Kopfhörer. Dann bin ich aber von der Umwelt abgeschnitten.
Habt Ihr ähnliche Erfahrungen mit diesem oder einem ähnlichen Produkt gemacht?

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4 Antworten zu Moderne Zeiten

  1. sori1982 sagt:

    Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich Dich zuerst mit folgenden Fragen überfalle:
    Du hattest bisher analoge Hörgeräte? Wie lange hast Du sie dann gehabt?
    Seit ca. vier Jahren trage ich die GN ReSound Verso und nutze – eigentlich zum ersten Mal – Zusatzgeräte wie das Telefonclip und Mini-Mikrofon. Bevor ich mich für diese Hörsysteme entschieden habe, habe ich auch welche von Phonak getestet und das dazugehörige „ComPilot“ – eine Applikation für Fernsehen, Musikhören und Telefonieren.
    Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass das ComPilot eine hörbar bessere Klangqualität hat als meine aktuellen Zusatzgeräte, aber letztendlich habe ich den Hörgeräten mehr Bedeutung beigemessen als den Zusatzgeräten.
    Da der Hörverlust ein individueller ist, stelle ich fest, dass bei mir das Musikhören vom Smartphone via Telefonclip & Bluetooth feiner ausartet als wenn ich von meiner kleinen Anlage über Lautsprecher höre.
    Den Kopfhörer habe ich vernachlässigt, seit ich über das Mini-Mikrofon auch Musik hören kann – da höre ich jede einzelne Note und jedes einzelne Wort besser.
    Das Telefonieren mit dem Smartphone via Telefonclip ist eine sehr feine Sache – aber es kommt noch vor, dass ich meine Hörgeräte aus dem Ohr herausnehme und telefoniere. Die jahrelange alte Gewohnheit kann ich wohl nur schwer absetzen.
    Liebe Grüße
    S.

    • heppenheimer sagt:

      Meine alten Siemens Lotus Pro habe ich seit ca. sieben Jahren, in denen ich sehr gut damit zurecht kam. Von den bisher getesteten Geräten haben mich die Unitron Max E überzeugt, obwohl sie keine Komfortgeräte sind. Mit ihnen kam ich aber selbst in sehr lauten Umgebungen (vollbesetzte Gaststätte) wunderbar zurecht. Das Zusammenspiel mit dem CM BT-2 klappte ohne Probleme, wobei ich aber nur darüber telefoniere. Musik höre ich lieber mit einem vernünftigen Kopfhörer ohne eingestöpselte HG’s. Alles andere macht mir persönlich keinen Spaß und ist allenfalls ein Notbehelf.

      • sori1982 sagt:

        Ich finde es immer wieder spannend zu lesen, wie vielfältig die Schwerhörigkeit ist und welche Bedürfnisse jede/r für das Hören hat. In meinem alten Blog habe ich sehr ausführlich über meine Gewöhnungsphase der neuen Hörsysteme geschildert, weil Wechsel des Hörgeräte-Akustikers und auch komplett anderes Modell:
        http://sori1982.blogspot.co.at/2013/08/horgerate-tagebuch-1.html
        An und für sich ist es so, dass es kein bestes Zusatzgerät geben kann, aber wenn ich an 10 Jahre oder früher zurückdenke, sind die Applikationen schon eine große Bereicherung.
        Aber dennoch: Vor sieben Jahren konnten noch analoge Hörgeräte verkauft werden? Ich dachte, sie wären schon längst vom Hörmarkt verschwunden.
        Liebe Grüße
        S.

  2. heppenheimer sagt:

    Mittlerweile sind die analogen HG’s tatsächlich (zum Leidwesen vieler Betroffener) vom Markt verschwunden. Aber ich denke, die Vorteile der digitalen Geräte überwiegt die gefühlt natürlichere Hörqualität der alten Generationen. Ist sicher auch nur eine Sache von Hörtraining und Gewohnheit. Mir persönlich hat der Wechsel keinerlei Nachteile gebracht.

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